Es könnte nicht schöner sein – wenn man eine Praxis hat mit qualifizierten und vor allem interessierten und engagierten Therapeuten oder Freien Mitarbeitern, die für nicht unerhebliche zusätzliche Einnahmen sorgen. Nur, was passiert, wenn man selbst das Gefühl hat, daß man die Leute in den eigenen 4 Wänden als Konkurrenz empfindet. Wie läßt sich das erklären? Ich empfinde das so:
Wäre ich dieser Praxisinhaber, könnte ich durchaus darüber nachdenken, ein paar Stunden weniger jede Woche praktisch zu arbeiten und mehr Zeit für meine Familie zu haben. Ich wüßte, diese Leute könnten mir sogar mehr Geld über Privatrezepte bringen, weil dort eben MT (mit Osteopathischen Techniken) drauf steht und die schon recht fortgeschrittene Qualifikation der Leute mir eben die Möglichkeit dieses Angebots bietet. Und abgesehen vom Arbeitsvertrag (bei Angestellten) solche Leistungen über Honorarleistung mit z. B. 70:30 zu abzugelten, weil ja der Erbringer die Fortbildung selbst bezahlt hat – wobei ich diesen Satz als nicht angemessen sehe in dem Fall. Wie verblödet wäre ich, wenn ich ihnen verbiete, solche Leistungen anzubieten und die nicht unerheblichen Prozente in meiner Kasse zu sehen. Insofern die Nachfrage da wäre, würde ich die Pläne mit genau solchen Sachen füllen und nicht verlangen, daß die Patienten in meine Pläne zu schreiben wären, weil ich die Lorbeeren allein einstecken wollte – das garantiert mir nicht die Freude der Patienten. Und die, die ausdrücklich um einen Platz in der Behandlungsliste meines Angestellten bitten, weil sie um deren Qualifikation und Fähigkeit wissen, sollen doch bitte genau das bekommen, was sie brauchen – udn machen einen wichtigen Schritt in Richtung Therapieerfolg. Der Patient/Klient hat das Recht auf freie Therapeutenwahl und ich bin doch froh, wenn die Pläne meiner Leute voll sind und ich mich ein wenig zurücknehmen kann. Welch wirtschaftliches Nicht-Denken brächte mich auf die Idee, daß finanziell potente Patienten nur in meiner Liste zu erscheinen hätten. Selbst wenn die Dollarzeichen leuchten, sorge ich doch gerade dafür, daß ich alles für diesen Kunden tue, um zu sichern, daß er doch wieder hierher kommt. Es ist meine Praxis und wenn ich auch für gute Athmosphäre sorge – in zwischenmenschlicher und qualititaver Beziehung – kann ich doch sicher sein, daß wir weiterempfohlen werden und wieder aufgesucht werden. Genauso wäre es mit den Freien Mitarbeiter – wie froh kann ich doch sein, wenn ich da jemanden in meiner Praxis habe, der Patienten anzieht mit einem sonnigem Gemüt und Liebe an der Arbeit. Solange er in MEINER Praxis wäre, würde ich dafür sorgen, daß er genau da bleibt – Konkurrenzdenken vergrault jede noch so angenehme Stimmung, zumal Patienten auch genau so etwas spüren würden. Die Konsequenzen für meine Praxis müßte ich am Ende tragen – aber verständlich ist sowas nicht. Weiterhin würde ich mir nicht aus lauter Freundschaft gute Bekannte ins Boot holen, die zwar nicht gern als Alternative von Patienten gesehen werden, aber mir ja nicht gefährlich werden können und mir “meine” Patienten streitig machten. Sie mögen recht gut als Ar***kriecher funktionieren, wenn die anderen Angestellten, die ja auch außerhalb der Arbeitszeit nicht “mit mir spielen” mögen, weil ich ja “der Chef” bin, aber sie können mir brühwarm erzählen, was meine Leute machten, wenn ich nicht anwesend bin. So ein Blog funktioniert doch auch wie ein Psycho-Sofa – man wird einiges los, was einen beschäftigt. Der Clou an der Geschichte ist ja noch, daß wenn ich dem FM schon endlich vergrault habe, kündige ich ja auch noch meinen besten Therapeuten, weil er sich angeblich nicht rechnet, obwohl er der einzige ist, bei dem der Terminplan voll ist. Der Kündigungsgrund, daß ich einfach Angst habe, ich könne ihm therapeutisch das Wasser nicht reichen und ich könnte Patienten an ihn verlieren, ist schlecht durchsetzbar. Na gut, wenn er dann aus dem Weg ist, könnte ich die Patienten unter den noch vorhandenen Therapeuten aufteilen – ein paar werden schon noch übrig bleiben aus Bequemlichkeit, Not oder anderen Beweggründen. Und verleugne ich den Therapeuten noch, wie ich den FM verleugnet hab, unternehmen vielleicht auch noch ein paar nicht den Versuch, ihn wieder zu finden.. Er wäre ja sowieso weggezogen………………………..
Es mag jetzt alles etwas verworren erscheinen, aber wie gesagt, ich arbeite einfach etwas auf, was ich schon lange beobachtet und erwartet habe. Nur hatte ich gehofft, nicht recht zu behalten – es hat sich aber leider genau so eingestellt, wie ich es geahnt habe. Gottseidank bin ich nur Beobachter, aber genau das zeigt mir immer wieder, wie wichtig es ist, sich selbst auch immer mal zu hinterfragen, selbstkritisch zu sein und am besten immer so kleinunternehmerisch zu bleiben, wie es geht. Und vor allem – gerade von dort, wo ich wirke – nämlich im Hintergrund – bin ich immer gezwungen, qualititativ mindestens gute Leistung zu bringen, sonst käme niemand mehr zu mir. Ohne Werbung bin ich offiziell praktisch gar nicht da – also arbeitet nur für mich die Arbeit über zufriedene Kunden, die mich weiterempfehlen und wieder kommen. Ich glaube, das gehört zu den riskantesten Manövern, aber man stellt ja an sich eigentlich die größten Ansprüche – 08-15 gibts an jeder Ecke… Und je schneller größerer Erfolg eintritt und wie schnell man den Boden unter den Füßen verliert, desto tiefer könnte man fallen – oder man gerät einfach wieder in die Durchschnittsliga.. Ein gruselige Vorstellung..

Die Entscheidung, den Therapeuten zu entlassen, soll eine Kurzschlußentscheidung gewesen sein, was die Dummheit meiner Meinung nach untermauert.. Und nicht einmal den Versuch zu unternehmen, an dem vorgeschobenen Fakt der Unwirtschaftlichkeit etwas zu ändern, wie z. Bsp. andere Vertragsbedingungen zu besprechen, bestätigt weiterhin die Entlassung aus Gründen, daß der Chef nicht weniger qualifiziert als seine Angestellten sein möchte – um es zahm auszudrücken.. Dass so etwas geht, können wir sicherlich in nicht wenigen Praxen sehen – was ich nicht schlimm finde. Nicht jede Fortbildung ist für jeden Therapeuten geeignet – und jeder Therapeut muss seinen Weg und seine Ambitionen selbst finden. Ich bin der Meinung, dass, wenn man hinter seinen Qualifikationen bzw. dem, was man da “verkauft”, nicht steht, den Kunden/Klienten nie wirklich erreichen wird. Was des einen Leid, ist des anderen Freud – ich freue mich jedenfalls, mit einem fähigen Therapeuten für Patienten zusammen da zu sein und gegebenenfalls mit ihnen ergänzend an den Erfolgen im Sinne einer langfristigen Linderung zu arbeiten..